Im allgemeinen bezeichnet man die eigene bereits von Natur aus vorhandene Kraft als „ursprüngliche Kraft“. Die Kraft, die man sich durch das Training von Kampftechniken aneignet, heißt hingegen die „verfeinerte Kraft“, d. h. eine Kraft mit einem gesteigerten technischen Inhalt, die ausschließlich als eine spezielle Qualität in der Kampfkunst vorhanden ist.

Die sogenannte „ganzheitliche elementare Kraft“ - Hunyuan Li ... im Yiquan bezieht sich darauf, dass die durch die Vorstellung Yi, geleitete Kraft, die in allen Richtungen oben und unten, links und rechts, vorne und hinten wirkt, einen Zustand der Ausgeglichenheit und Gleichmäßigkeit erreicht. Ohne die ganzheitliche elementare Kraft zu beherrschen, braucht man erst gar nicht darüber zu sprechen, wie man sich kämpferisches Können aneignet. Warum muss man dann aber diese Kraft, die ausschließlich als eine spezielle Qualität in der Kampfkunst existiert, auch noch testen?

1. „Das Verständnis der Kraft entspringt dem Testen der Kraft, und aus
diesem Verständnis heraus gelangt man wiederum zur Anwendungsweise“

Dieser Satz von Wang Xiangzhai fasst klar und deutlich das Ziel und die Funktion des Testens der Kraft zusammen. Konkret gesagt geht es beim Testen der Kraft darum, auf Basis der grundlegenden Übung des Zhanzhuang [Stehen wie eine Säule] unter Führung der Vorstellung Yi die entgegensetzt zerrenden Kräfte – zhengli ..ununterbrochen unter Kontrolle zu halten. Dadurch soll man in Erfahrung zu bringen, ob man die durch das Zhanzhuang entwickelte ganzheitliche elementare Kraft auch unter der Bedingung der Gewichtsverlagerung noch genau so beherrscht [wie unter den statischen Bedingungen desZhanzhuang] und sie mühelos anwenden kann. Man kann sagen, dass das Testen der Kraft die Erweiterung des Zhanzhuang in den Raum hinein ist. Es führt von der Ruhe in die Bewegung, während man in der Bewegung Ruhe anstrebt. Das Testen der Kraft ist Zhanzhuang in der Bewegung, während Zhanzhuang ein unbewegtes Testen der Kraft ist. Meister Yao Zongxun [1917-1985] sagte einmal, als er die Funktion des Testens der Kraft erläuterte: „Besser als dieses und jenes zu üben, ist es, dass du dir was einfallen lässt, um die deine eigenen körperlichen Voraussetzungen zu verbessern. Wenn du deine beiden Arme durch das Training [praktisch] zu zwei lebendigen Pythonschlangen werden lässt und Koordination und Feinabstimmung des ganzen Körpers noch hinzufügst, kommst du dann etwa immer noch nicht im Kampf zurecht?“

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